München-Ingolstadt

1. Etappe München-Ingolstadt (105 km )

Jerzy Montags Münchener Büro hatte in einer ausführlichen Pressemitteilung auf den Start der Tour de Soleil vor seinem Münchner Büro am Sendlinger Tor um.10 Uhr hingewiesen, doch waren am Tag nach dem WM-Endspiel die lokalen Größen der schreibenden Zunft noch zu sehr mit der Recherche der wahren Hintergründe für Zidanes Kopfstoß gegen den armen Materazzi beschäftigt, als dass sie sich für Nebensächlichkeiten wie Atomausstieg, Ozonloch oder Treibhauseffekt hätten erwärmen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

von links nach rechts: Hans-Peter Klein, Jerzy Montag, Walter Hasenfuß


So starteten wir am Montag, den 10.Juli 2006, zusammen mit Jerzy Montag eben ohne großen Presserummel oder störende Begleitfahrzeuge die erste Tour de Soleil und befuhren gemeinsam die Sendlinger Straße in nördlicher Richtung.

An der Ludwigstraße organisierte Jerzy eine junge Dame, die uns vor dem Siegestor (der Kreis sollte sich einige Tage später am Brandenburger Tor schließen ) ablichtete. Auf Höhe der Münchner Freiheit bat Jerzy einen Mann Anfang 30 zum Abschiedsphoto, wobei wir schon mit dem ersten Eklat rechneten, denn der angesprochene Passant sah Stefan Effenberg erschreckend ähnlich. Da jedoch niemand uns den Stinkefinger zeigte und der blonde Mann Anfang 30 ein höflicher, intelligenter Mensch zu sein schien, konnte es sich bei ihm keinesfalls um den abgehalfterten Ex-Profi gehandelt haben

 

Nun galt es Abschied zu nehmen von Jerzy Montag. Bis zur Münchner Freiheit hatte uns sein breites Politiker-Kreuz hinreichend Windschatten spenden können, doch nun riefen andere Termine und Verpflichtungen. Von nun an waren wir ganz auf uns allein gestellt, und mußten alleine weiterziehen um das Fürchten zu lernen, in unserem eigenen Sommermärchen, weit weg von Zuhause und unseren Frauen und Kindern, die sonst immer auf uns aufpassen. Dieser bitteren Wahrheit ins Auge sehend, mußten wir erst einmal unseren Mut kühlen und bestellten im Café Münchner Freiheit ein Eis, um nach dessen Verzehr feststellen zu müssen, dass wir zu unserem ersten Pressetermin bei der Süddeutschen Zeitung in Garching wohl etwas Verspätung aufweisen könnten.

Also rauf auf die Räder! Ab nach Garching! Hinein in den Englischen Garten! Rauf auf den Isarradweg!

Vor den Toren Garchings erreichten wir eine Stelle, an der wir eigentlich die Tour de Soleil schon hätten beenden können, denn nirgendwo sonst auf den über 800 noch folgenden Kilometern nach Berlin wurden uns die unterschiedlichen Visionen der zukünftigen Energieversorgung unseres Landes so plastisch vor Augen geführt.

Ein Standort – zwei Perspektiven: Zur Rechten versuchte sich der Forschungsreaktor der TU München („Garchinger Atomei“ ) hinter einem Waldgelände wegzuducken, während links das Windrad nahe der Allianz-Arena stolz sein Haupt in den weißblauen Sommerhimmel des Münchner Nordens erhob.

                                    

Mit nur geringer Verzögerung erreichten wir die Redaktion der Süddeutschen Zeitung für den nördlichen Landkreis München in Garching. Nach dem Fototermin hetzten wir weiter nach Eching, wo das schwedische Möbel haust. Entlang der A9 durchfuhren wir Orte wie Allershausen, deren Existenz uns bislang nur durch die Staumeldungen auf Bayern 3 vertraut war.

Hinter Pfaffenhofen dem Ilmtal-Radweg folgend, tauchten wir in die Hopfenfelder der Holledau, quasi die Seele Bayerns, ein.

Vor den Toren Ingolstadts erreichten wir mit Baar-Ebenhausen jene Gemeinde, die wegen der nahegelegenen Sondermülldeponie einen gewissen Bekanntheitsgrad aufweisen kann. Weniger bekannt sind die vielen Badeseen bei Baar-Ebenhausen.
Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad beschlossen wir, die weithin unbekannten positiven Seiten Baar-Ebenhausens zu ergründen und suchten Abkühlung in einem Gewässer mit Badewannen-Temperatur, vergebens . Erst das nachfolgende Weißbier konnte die Beschwerden lindern. Bei dieser Gelegenheit konnten wir eine lustige Rentner-Runde auf unser Projekt aufmerksam machen. Bevor wir sie jedoch zur Gänze von den Vorzügen des Atomausstiegs überzeugen konnten, mussten wir auch schon weiter, denn im Herzen Ingolstadts wartete Alexander Merkouris vom Grünen-KV Ingolstadt auf uns.

Hinsichtlich unseres Zeitmanagements gelang uns diesbezüglich eine Punktlandung, sodass wir sofort das erste Projekt erneuerbarer Energien würdigen konnten: die Bürgersolaranlage auf dem Rathaus für Soziales in Ingolstadt.

Thomas Hümmer, der die Anlage geplant und gebaut hatte und Geschäftsführer „Tom“ Suchy präsentierten eindrucksvoll die Erfolgsgeschichte dieser innovativen Aktion Ingolstädter Bürger. Auch die lokale Presse (Neuburger Rundschau und Donaukurier ) war anwesend, um unsere gemeinsame Aktion entsprechend zu würdigen.

  • Nach dem offiziellen Programm nutzten wir noch die letzten 30 Minuten Öffnungszeit des örtlichen Freibades, um danach noch in die Diskussionsrunde mit Alex Merkouris und Tom Suchy im Biergarten des Gasthauses „Goldener Stern“ mit einzusteigen.
  • Zum Abschluss des erlebnisreichen Tages gab es noch einen spätabendlichen Stadtrundgang mit Fremdenführer Alex Merkouris.